Lotospflanze & Westlake Lotostee – eine Teekultur aus Hanoi
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Lotos aus dem Schlamm – warum Westlake in Hanoi eine Teekultur bewahrt, die nicht massentauglich sein kann
Auf unserer Reise zur Lotospflanze durften wir in Hanoi das junge Team von Codytea besuchen. Seit 2022 arbeitet das Unternehmen daran, eine der aufwendigsten Teespezialitäten Vietnams wieder sichtbar zu machen: echten Westlake Lotosblütentee – traditionelle Handarbeit, unterstützt von moderner Technologie, aber niemals als Massenprodukt gedacht.
Das Wichtigste in Kürze
- Lotos ist nicht gleich Seerose: Der „echte Lotos“ (Nelumbo) ist botanisch nicht identisch mit Seerosen (Nymphaea).
- Verwechslung am Markt: „Blauer Lotos“ ist im Handel häufig eine Seerose (z. B. Nymphaea), nicht der klassische Lotos Tee aus der vietnamesischen Kultur.
- Westlake Hanoi: Lotos-Tee gilt als besonders arbeitsintensiv und traditionsreich – die Aromatisierung erfolgt durch Kontakt mit frischen Lotusblüten.
- Codytea bewirtschaftet ca. 110 ha Lotosanbau und setzt auf Handarbeit trotz moderner Haltbarkeitstechnologie.
- Produkte: Lotosblüten Tee am Abend, Westlake Lotus-Tea - am Morgen, Lotoskeim-Tee, gefriergetrocknete ganze Lotosblüte gefüllt mit jungen Xinlijang Grüntee, Lotos-Extrakt.
Die Lotospflanze – Kulturpflanze mit Geschichte
In Asien ist Lotos weit mehr als eine schöne Wasserpflanze: Er steht für Reinheit, Klarheit, Regeneration – und ist zugleich eine uralte Kulturpflanze mit vielen Verwendungen. Botanisch wird der „echte Lotos“ meist dem Nelumbo-Komplex zugeordnet (z. B. Nelumbo nucifera, „Sacred Lotus“). Trotz optischer Ähnlichkeiten ist Lotos nicht einfach eine Seerose: Seerosen gehören typischerweise zu Nymphaea.
In Europa wird „Blauer Lotos“ häufig als „Lotos-Tee“ angeboten. Botanisch ist das jedoch oft missverständlich: Unter „Blue Lotus“ wird häufig eine Seerose (Nymphaea) verstanden (z. B. Nymphaea caerulea), also nicht der klassische Nelumbo-Lotos, wie er in vietnamesischer Lotos-Tee-Tradition genutzt wird. Genau deshalb ist uns die korrekte Einordnung wichtig: Wir sprechen beim Westlake Lotustea von einer vietnamesischen Teekultur rund um frische Lotosblüten und deren Aromatik.
Warum Westlake (Hanoi) so besonders ist
Westlake (Hanoi) ist berühmt für Lotosblüten – und für eine sehr feine, seltene Tee-Tradition: junge Grünteeblätter (Xinjiang - Thai Nguyen Region) werden in Kontakt mit frischen Lotusblüten gebracht, damit sie deren Aroma aufnehmen.
Nach dem, was wir vor Ort gelernt haben, bietet der nährstoffreiche, schlammige Boden in Westlake ideale Bedingungen. Codytea arbeitet dort ohne Pestizide – auch, weil Lotospflanzen empfindlich sind und man im Anbau sehr sauber und achtsam arbeiten muss.
Codytea: junges Unternehmen, alte Teekultur
Codytea wurde 2022 gegründet und hat sich einer Aufgabe verschrieben, die man nicht „skalieren“ kann: Die Herstellung bleibt in vielen Schritten Handarbeit – selbst wenn moderne Verfahren helfen, Aroma und Wirkstoffe zu bewahren.
Spannend fanden wir auch den kulturellen Stellenwert: Wenn in Hanoi Gäste zu Gesprächen und Verhandlungen empfangen werden, wird – so wurde es uns erklärt – sehr häufig eine Teezeremonie angeboten. Lotos-Tee gilt dort als Getränk für klares Denken und fokussierte Gespräche.
Zusätzlich erhält Codytea Unterstützung durch staatliche Stellen, um diese besondere Kultur- und Handwerksleistung sichtbar zu machen.
Die Produktwelt rund um Lotos – was wir entdeckt haben
Lotos ist bei Codytea nicht „ein Produkt“, sondern eine ganze Welt aus Tee, Pflanzenteilen und Anwendungskultur. Hier ein Überblick über die Varianten, die uns besonders beeindruckt haben:
1) Abend-Tabs: Lotosstempel, Lotosreis & leichter Grüntee-Anteil
Praktisch portioniert: Tabs für den Abend mit Lotosblüten, Lotosblätter, Lotosstempeln, Lotosreis und einem Anteil von ca. 5 % jungem Grüntee – gedacht für Ruhe und einen sanften Tagesausklang.
→ Zum reinen Lotosblütentee bei Masawi
2) Goldene Morgen-Tabs: 8 g junger Grüntee mit Lotosreis & Blütenstempeln
Diese Tabs sind als Energiespender für den Morgen gedacht: 8 g junger Grüntee kombiniert mit Lotus-Aromatik (Blütenstempel & Lotosreis) – für Wachheit, Fokus und klares Denken.
3) Lotoskeim-Tee: Bitterstoffe als Tradition für innere Balance
Neu für unser Sortiment: Lotoskeime sitzen im ausgereiften Lotossamen. Durch das Öffnen der Samen werden die Keime gelöst und unter 40 °C getrocknet, damit die Nährstoffe erhalten bleiben. Der Tee enthält wertvolle Bitterstoffe, die traditionell mit Stoffwechsel- und Körperfunktionen in Verbindung gebracht werden.
4) Highlight: Gefriergetrocknete ganze Lotosblüte, gefüllt mit jungem Grüntee
Das intensivste Erlebnis: eine komplette Lotosblüte, gefüllt mit jungem Grüntee – gefriergetrocknet, damit Aroma und Struktur erhalten bleiben. Beim Aufguss entfaltet sich ein besonders dichter, floraler Duft.
5) Lotus-Extrakt: Schönheit von innen – und sanfte Pflege von außen
Codytea gewinnt außerdem ein Lotos-Extrakt: Ein aus Lotus und jungem „Xinjiang“ Grüntee gewonnenes ätherisches Öl, das mit reinem Wasser verdünnt angewendet wird – für eine frische Ausstrahlung und ein elastisches Hautgefühl.
Unsere Empfehlung: Lotos als Tagesritual
- Morgens: Goldene Grüntee-Tabs – für Fokus & klares Denken.
- Abends: Abend-Tabs oder reiner Lotosblütentee – zum Runterfahren und Loslassen.
- Zwischendurch: Lotoskeim-Tee – herb, bitter, traditionell geschätzt für innere Balance.
Westlake Lotostee bei Masawi
Wir nehmen aus dem Besuch bei Codytea vor allem eines mit: Diese Teekultur kann nur bestehen, wenn Handarbeit, Wissen und Respekt vor der Pflanze weiterhin im Mittelpunkt stehen. Wer Lotos trinkt, trinkt nicht „nur Tee“ – sondern ein Stück lebendige Kultur.
Fragen & Antworten zur Lotospflanze
Die Lotospflanze ist in Europa noch wenig bekannt. Hier findest du die wichtigsten Hintergründe zu Symbolik, Botanik und der traditionellen Herstellung von Lotus-Tee.
Warum gilt die Lotospflanze im Buddhismus als Symbol?
Die Lotospflanze wächst aus schlammigem Wasser und entfaltet darüber eine reine, makellose Blüte. Im Buddhismus steht sie deshalb für Reinheit, Erneuerung und geistige Klarheit: ein Bild dafür, dass inneres Wachstum auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist.
Wie viele Lotosarten gibt es eigentlich?
Botanisch unterscheidet man beim „echten Lotus“ im Wesentlichen zwei Arten: Nelumbo nucifera (asiatischer/heiliger Lotus) und Nelumbo lutea (amerikanischer Lotus). Wichtig: Viele Pflanzen, die im Handel als „Lotos“ bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit Seerosen (Gattung Nymphaea). Besonders der sogenannte „blaue Lotos“ ist häufig eine Seerose – nicht der klassische Lotos aus der asiatischen Teekultur.
Wie lange braucht eine Lotospflanze, bis sie geerntet werden kann?
Nach der Pflanzung braucht Lotos meist etwa 2–3 Jahre, bis die Pflanze vollständig etabliert ist. Erst danach liefert sie zuverlässig kräftige Blüten, Samen und weitere Pflanzenteile. Lotos ist deshalb eine Kulturpflanze, die Geduld und sorgfältige Pflege erfordert.
In der traditionellen vietnamesischen Teekultur werden frische Lotosblüten – oft am frühen Morgen – geerntet und junger Grüntee in die Blüte gegeben. Die Blüte wird wieder geschlossen und über mehrere Stunden (teils über Nacht) nimmt der Tee das feine, florale Aroma und natürliche Pflanzenstoffe auf. Moderne Verfahren ermöglichen es heute, diese aromatisierten Blüten schonend zu konservieren, damit die Teekultur über die Saison hinaus erhalten bleibt.
Warum ist Lotosanbau so anspruchsvoll?
Lotospflanzen sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und reagieren sensibel auf chemische Rückstände. Sauberes Wasser, nährstoffreicher Schlamm und achtsame Pflege sind entscheidend. Deshalb ist der Anbau ohne Pestizide möglich, aber aufwendig – und ein zentraler Qualitätsfaktor.
Die Ernte ist saisonal begrenzt, jede Blüte wird in Handarbeit verarbeitet und die Aromatisierung braucht Zeit. Genau diese Ruhe und Sorgfalt machen echten Lotosblütentee so besonders – und gleichzeitig selten.