Unsere Gewürz- und Pfeffersuche in Nordvietnam

Unsere Reise durch Nordvietnam

Dank unserer Freunde Ly und Cong in Dresden, hatten wir das Glück mit einem vietnamesischen Begleiter durch die verschiedenen Bergprovinzen die noch unbekannten Regionen Nord-Vietnams zu entdecken. Mr. Minh Giang und Mac Xuno Tap aus Hanoi führten uns durch Serpentinen entlang der hohen Berge der Provinzen Moc Chau, Suoi Giang, Yen Bay und Long Sun.

Traumhafte Landschaften mit Teeplantagen wie aus dem Bilderbuch

Unsere erste Tour führte uns in die Berge von Moc Chau, hier befindet sich ein wichtiges landwirtschaftliches Zentrum, es liegt etwa 1400 m über dem Meeresspiegel, im Umland befinden sich zahlreiche wunderschön angelegte Teefelder und auch zahlreiche Maulbeerplantagen für die Seidenproduktion.

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Olong Teeplantagen in Moc Chau

 

In der Umgebung gibt es viele kleine Dörfer, die von den zahlreichen ethnischen Volksgruppen Vietnams bewohnt werden. Neben der Landwirtschaft und Viehzucht leben die Menschen hier inzwischen auch immer mehr vom wachsenden Tourismus, denn die traumhafte Landschaft, in der atemberaubend schön Terrassenfelder und Hügel angelegt wurden, vermittelt eine Bilderbuchoptik.

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Unter anderem werden große Mengen der Tee-Sorte Olong für Taiwan und Japan angebaut, eine der mildesten und geschmackvollsten Grünteesorten. Aber auch viele verschiedene einheimische vietnamesische Teesorten findet man hier, die auf dem lokalen Markt in großen Mengen konsumiert werden. Grüner Tee wird hier zu jeder Tageszeit in einer Zeremonie gereicht.

Wir wurden mehrmals in kleine Homestays zum Essen eingeladen und konnten uns durch die heimische Küche probieren. Zahlreiche Spezialitäten findet man in dieser Region - Gerichte, welche wir so noch nie irgendwo sonst in Vietnam gegessen haben. Neben ausgesprochen leckerem Gemüse, wie Weißkohl, der nur geschnitten und roh so zart und geschmackvoll war, dass wir ihn am liebsten auch roh gegessen haben. Dieser wurde mit kleingeschnittenem Fleisch, Kräutern und Lauch eingewickelt und in eine Paste mit Mac Ken Pfeffer und Chili gedippt, super lecker! Neben einer Rettichart, die dem bei uns heimischen weißen Rettich ähnelt, aber zuckersüß schmeckt, kleine frittierte Flussfische, die auch mit Kopf total lecker waren, gab es noch so viel mehr Interessantes zu entdecken.

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Zu jeder Mahlzeit wird auch der selbstgemachte Reiswein, der hier mit Wurzeln und Blätter eingelegt als Medizin angepriesen wurde, gereicht. Normal aber immer nur ein kleines Gläschen zu jeder Mahlzeit, man sollte sich nicht verführen lassen. Ach, noch ein tolles Erlebnis auf dem Markt: Unsere beiden Begleiter zeigen uns Reis in Bambusröhrchen, die über offenem Feuer im Topf mit Wasserdampf gegart werden, der Klebereis wird aus dem Bambusrohr geschält und gegessen wie eine Banane. Die offenen Enden des Bambusrohrs werden mit verschiedenen Blättern der Urwaldpflanze verschlossen, so geben die Blätter den herzhaft aromatischen Geschmack.


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Ein Reisgericht für die Bauern als Wegzehrung, natürlich verpackt im Bambusrohr

Dazu gab es einen Tee, worin die Maiskolben gegart wurden. Auch dieser hatte einen lieblichen Geschmack. Hier in den Bergen wird noch alles in Naturmaterialien wie Bananenblätter und Bambuskörben verpackt, die Plastiktüte ist hier noch nicht angekommen. Alles was an Naturabfällen anfällt, wird verbrannt und somit kennt man hier kaum das Müllproblem. Ob sie es schaffen, sich dauerhaft gegen Verpackungsmüll zu wehren?

Unser Interesse liegt aber mehr an unserem Tuyet Shan Tee aus den höchsten Bergspitzen weiter im Norden, in den Gebieten Suoi Giang und Yen Bai, so ging unsere Tour am nächsten Tag weiter. Die Bevölkerung lebt hier noch stärker von der Außenwelt abgeschnitten, zumal die Wege hierher schon sehr kompliziert und schwierig sind. Es wird hier fast alles mit dem Moped oder zu Fuß transportiert. Mit dem Jeep hatten wir schon Probleme die schmalen Serpentinen entlang zu kommen. Die Schulkinder müssen mehrere Stunden Zeit täglich für ihren Schulweg einplanen.


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100 jährige Teebäume im District Suoi Giang, Yen Bai

Sie leben nach wie vor in sehr bescheidenen Verhältnissen und fast ausschließlich vom Gemüse- und Obstanbau und von dem, was in den Wäldern wächst. Auf ihren kleinen Märkten entlang der Strasse fanden wir auch den Mac Khen Pfeffer, ein wilder Szechuanpfeffer, der wieder ein ganz anderes Aroma, wie der Timut-, Andalimanpfeffer und der chinesische Szechuanpfeffer, hat. Die Mac-Khen-Bäume haben wir hier im Nebel nicht sehen können, dafür aber eine Woche später bei unseren Wanderungen auf der Insel Cat Ba, die größte Insel der Ha-Long-Bucht mit einem großen Naturschutzgebiet, indem sich viele seltene Pflanzen- und Tierarten befinden, unter anderen auch der Mac-Khen-Pfeffer.


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Mac-Khen-Pfeffer

Sehr interessant war auch das rotbraune Gewürzpulver, das wir bei den Frauen auf dem Markt probiert haben. Uns kam der Geschmack bekannt vor, aber auf Grund der einheimischen Bezeichnung „Bot Chua“ konnten wir es uns nicht übersetzen oder zuordnen. Im Laufe der Weiterfahrt probierten wir immer wieder, weil uns der Geschmack bekannt vorkam, durch die säuerliche Note erkannten wir es als eine Art von „Sumach“, wie wir ihn aus der Türkei kennen. Oh je, jetzt mussten wir die nur wenigen Kilometer zurück und nahmen gleich 2 Kilo dazu, denn diese Sumach-Bäume gibt es nur hier in den Bergen von Yen Bay, die freundlichen jungen Marktfrauen waren überglücklich über dieses gute Geschäft.


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Markt in der Region bei Yen Bai und Teebäume in der Provinz Suoi Giang

Im Gebiet der Provinz Suoi Giang wird traditionell seit etwa 1000 Jahren Grüner Tee der Sorte „Tuyet Shan“ angebaut. Aber nicht in diesen optisch geordneten Hecken, wie man das von den in der Kolonialzeit angelegten Teeplantagen her kennt, sondern hier wachsen die Tee Bäume, die mitunter mehrere hundert Jahre alt sind in wilder Natur. Sie wirken in den wolkenverhangenen Bergen nahezu mystisch. Aufgrund der sehr hohen Lage, ca. 1400 m über dem Meeresspiegel, sind die Tee Bäume nicht so anfällig gegen Schädlingsbefall, die Temperaturen sind hier deutlich niedriger, so dass keine Pestizide eingesetzt werden müssen. Das zeichnet auch die besondere Qualität aus. Das Alter der Bäume lässt eine tiefe Verwurzelung zu und dadurch ist ein sehr hoher Mineralstoffgehalt gewährleistet und wir finden hier keine Monokultur, da die Bäume weit auseinander stehen und andere Pflanzen die Tee Bäume umgeben und für Balance in der Natur sorgen.


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Wir sind im Februar und da es hier auch die 4 Jahreszeiten gibt, befanden wir uns gerade im „Winter“. In dieser Zeit wird noch nicht gepflückt, erst im März bilden sich die frischen Teesprossen, nur die werden für den Tee verwendet. Die wertvollste Sorte ist Pflückung im März und die letzte im Spätherbst. Ansonsten werden die Blattknospen über die Vegetationsphase vom März bis Oktober immer in den frühen Morgenstunden geerntet, die geschickten Pflückerinnen sammeln die Teeknospen in ihren Körben auf dem Rücken und bringen über extrem steile Hänge und komplizierten Fußwegen täglich ihre kleine Ernte ins Tal, dort werden sie gesammelt und in die Teefabrik gebracht, um dann traditionell geröstet und getrocknet zu werden. Einen Besuch in der Teefabrik haben wir für das nächste Jahr eingeplant.

Durch Mr.Giang hartnäckiges Nachfragen bei den Bauern, fanden wir auch einen Bauern mit Zimtbäumen. In Vietnam wird eher eine recht unbedeutende Sorte angebaut, wir waren daher eher auf der Suche nach den Zimtblüten, leider konnten sie uns da nicht weiterhelfen. Die Zimtrinde hier ist sehr stark und lässt sich nur gemahlen oder geschrotet weiter verarbeiten oder eben in sehr grobe Stücke bekommt man sie. Nur selten findet man hier in Vietnam eine gute Sorte Cannehl Zimt, die sehr süß und intensiv schmeckt. (z.B. für Zimt Tee und Pho Bo-Suppe). Wir haben sie nicht gefunden, aber wir bleiben daran.

Nach einer kurzen Nachtruhe ging es am 3. Tag weiter in den äußersten Nordosten an die chinesische Grenze, in die Provinz Lang Son.

Hier bekommen wir Kontakt zu den Sternanisbauern, von Hanoi nach Lang Son besteht eine gute Verbindung über einen Highway, so dass wir die 150 km recht schnell fahren konnten. Die Provinz Lang Son wird hauptsächlich mit traditioneller Lebensweise der Tay Bevölkerung, die aus China eingewandert ist, geprägt. Die Häuser werden traditionell aus Holz und auf Stelzen gebaut und in ihnen befindet sich ein großer Raum, wo die Küche und Schlafräume nur durch Vorhänge geteilt sind. Der Lebensstil ist durch die Landwirtschaft geprägt, es ist eine sehr fruchtbare Gegend, Obst, Gemüse und Reisanbau ist Haupterwerbszweig und wird durch Kooperativen staatlich unterstützt. Hier haben wir die besten „Pomelos“ kennen gelernt, die wir je gegessen haben, sie hatten noch diese angenehm bittere Note! Die Produkte gehen in die großen Städte und vieles wird aber auch über die chinesische Grenze gehandelt und weltweit exportiert.

Aber unser Interesse gilt hier den einzigen Sternaniswäldern Vietnams. Durch Recherchen wussten wir, dass im Norden Vietnams während der französischen Kolonialzeit Sternanis angepflanzt wurde.


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Sternaniswälder

Gut 100 Jahre ist es her, dass die Kolonialherren ein großes Gebiet mit Sternanis bepflanzt haben, um Europa mit diesem besonderen Gewürz, was wir besonders in der Weihnachtszeit lieben, zu versorgen. Sternanis kommt ursprünglich aus den Bergen Südchinas, so ergab sich hier in Nordvietnam eine ideale Voraussetzung. Unser Bauer hat diesen Wald, ein recht großes Areal, von seinen Großeltern geerbt und die letzten Jahre den Wald wieder mehr bewirtschaftet und möchte seinen Sternanis zu einem vernünftigen Preis verkaufen, sonst lohnt sich der Aufwand der mühseligen Ernte nicht. In den letzten Jahrzehnten haben die chinesischen Händler die Bauern im Preis so gedrückt, dass sich die Ernte für sie nicht mehr gelohnt hat und die Wälder immer mehr verwahrlost sind. Wir versuchen jetzt einen Markt für einen unbehandelten Sternanis in Deutschland zu finden, der einen ausreichenden Absatz zu einem fairen Preis gegenüber den Bauern gewährleistet.


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Sternanis - Frucht und Blüte

Sternanis wirkt sehr gesundheitsfördernd, d.h. schleimlösend, entzündungshemmend und verdauungsfördernd. In der traditionellen chinesischen Medizin wird dieser auch zur täglichen Ernährung empfohlen. Die nordvietnamesische Küche ist der chinesischen und koreanischen sehr ähnlich. Siehe unsere Chinesische-Fünf-Gewürzmischung und Vietnamesische-Fünf-Gewürzemischung. Sie passen wunderbar zu Gemüsepfannen, Reisgerichten, Suppen, Fisch- und zu Fleischgerichten. Sternanis ist ein Muss zur vietnamesischen Pho Bo-Suppe, zum Hot Pot, Weihnachtsgebäck, Glühwein, Likören und auch in der Herstellung von Tinkturen gegen Husten und Heiserkeit unverzichtbar.

Nun seid gespannt auf unsere nächste Gewürzreise.

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